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Betreff: Pressemitteilung - Ehrenbürgerschaften aus der NS-Zeit
Pressemitteilung Nr. 345/2025 18.07.2025
Hitler ist kein Ehrenbürger!
Gemeinderat befasst sich mit Beschlüssen von 1933 und 1946
Paul von Hindenburg, Adolf Hitler und vier weitere NS-Funktionäre sind keine Ehrenbürger der Stadt Offenburg.
Eine entsprechende Klarstellung legt die Stadtverwaltung dem Gemeinderat in der Sitzung am 28. Juli zur Beschlussfassung vor.
Der Vorlage zufolge haben zwei Stadtratsbeschlüsse aus dem Jahr 1933, in denen Hitler, Hindenburg und vier weitere NS-Größen zu Ehrenbürgern erklärt wurden, keinen Bestand. Ehrenbürgerschaften der Stadt Offenburg seien dadurch nicht begründet worden. Damit wird die in Verwaltung und Stadtgesellschaft seit Langem geübte Praxis bestätigt, die 1933 verliehenen Ehrenbürgerschaften als nichtig zu betrachten.
Gleichzeitig wird ein entsprechender Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 1946 präzisiert.
Im Einzelnen geht es um den früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, den früheren Reichskanzler Adolf Hitler, den früheren NSDAP-Gauleiter von Baden, Robert Wagner, sowie die früheren NS-Minister in Baden, Karl Pflaumer, Walter Köhler und Otto Wacker. Letzterer war auch Mitgründer der Offenburger NSDAP.
Gauleiter Wagner war unter anderem der Initiator und Vollstrecker der Deportation der badischen Jüdinnen und Juden in das Lager Gurs am 22. Oktober 1940.
Die weiteren NS-Funktionäre waren als badischer Ministerpräsident, Finanz- und Wirtschaftsminister (Köhler in Personalunion), Innenminister (Pflaumer) sowie Justiz- und Kultusminister (Wacker) unmittelbar an der Entrechtung, Enteignung und Deportation der jüdischen Bevölkerung beteiligt.
Die Genannten waren unmittelbar nach der Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes (24. März) von Offenburger Stadtrat am 3. April bzw. am 31. Juli 1933 pauschal zu Ehrenbürgern erklärt worden.
Im zeitlichen Kontext stehen der Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte in Offenburg (1. April 1933), das Verbot der Zeitung "D'r alt Offeburger" (18. März) sowie eine öffentliche Bücherverbrennung (17. Juni).
Reichsweit hatte die Verfolgung und Inhaftierung von Kommunisten, Sozialdemokraten und anderen Regimegegnern begonnen. Bis zum 14. Juli 1933, also kurz vor dem zweiten Beschluss, waren alle Parteien außer der NSDAP aufgelöst bzw. verboten worden.
Die Stadtratsbeschlüsse aus dem Jahr 1933, so die Argumentation, waren in der Form unzureichend. Sie genügten nicht einmal den Minimalanforderungen an ein Ehrungsverfahren: Eine Prüfung der Verdienste der zu Ehrenden fand nicht statt. Überdies waren nicht frei. Unter dem Druck des zunehmenden Terrors hatten sie den Charakter einer Ergebenheitsadresse an das nationalsozialistische Regime und konnten keine Ehrenbürgerwürde begründen. Sie reihen sich ein in eine Welle von Ehrenbürgerschaften für Hitler, Hindenburg sowie lokale und regionale NS-Größen in hunderten Kommunen.
Bisher war man ausgegangen, dass ein Beschluss des Stadtrats aus dem Juni 1946 die Ehrenbürgerschaften aus dem Jahr 1933 rechtswirksam annulliert hat.
Im Lichte dessen, dass jüngst das Instrument der Verleihung von Ehrenbürgerwürden für die Stadt wieder stärker in den Fokus gerückt ist, haben Mitarbeitende der Verwaltung sowie der Historiker Dr. Wolfgang Gall die Vorgänge überprüft. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass der Beschluss von 1946 die Absicht einer Annullierung der Ehrenbürgerschaften verfehlt hat.
Die Recherchen ergaben: Nominell entzogen wurde das Ehrenbürgerrecht lediglich den damals noch lebenden Wagner und Pflaumer. Der damals noch lebende Walter Köhler (verstorben 1989) wurde übersehen. Seiner Heimatstadt Weinheim an der Bergstraße entzog ihm die Ehrenbürgerwürde dagegen bereits zwei Tage nach Kriegsende.
Bei den 1946 bereits verstorbenen Personen (Hindenburg, Hitler, Wacker) wurde das Ehrenbürgerrecht aufgrund des Todes als erloschen betrachtet. Eine Erklärung über den Entzug der Ehrenbürgerwürde gab es deshalb nicht.
Diese formalen Unzulänglichkeiten konterkarierten die eigentliche Absicht, das Kapitel der Ehrenbürger-Beschlüsse von 1933 abzuschließen.
Dennoch wurde es in der Offenburger Stadtgesellschaft und in der Verwaltung gelebte Praxis, die sechs genannten Personen nicht als Ehrenbürger zu betrachten, sie nicht als solche zu erwähnen und sie nicht in der Ehrenbürgerliste zu führen.
Ein Beschluss des jetzigen Gemeinderates, die Beschlüsse von 1933 für unwirksam zu erklären, soll diese Praxis nun endgültig auf eine sichere Grundlage stellen.
Der Beschlussvorschlag der Verwaltung lautet:
1) Paul von Hindenburg, Adolf Hitler, Robert Wagner, Otto Wacker, Karl Pflaumer und Walter Köhler sind keine Ehrenbürger der Stadt Offenburg.
2) Eine Ehrenbürgerwürde der Personen Paul von Hindenburg, Adolf Hitler, Robert Wagner, Otto Wacker, Karl Pflaumer und Walter Köhler wurde durch die Beschlüsse des Offenburger Stadtrats vom 3. April 1933 und vom 31. Juli 1933 nicht begründet. Die Genannten sind daher nicht als Ehrenbürger oder gewesene Ehrenbürger der Stadt Offenburg zu betrachten. Die damals gefassten Beschlüsse betrachtet der Gemeinderat der Stadt Offenburg als unwirksam.
Bildtext
Offenburger Stadtrat Mitte 1933. Die Stadt- und Gemeinderäte waren wenige Monate nach Hitlers Machtergreifung gleichgeschaltet. Foto: Stadtarchiv
Hinweis: Die Vorlage wird im Lauf des Tages ins Internet eingestellt.
Informationen zu den in Rede stehenden Personen
(Dr. Wolfgang Gall)
Paul von Hindenburg, (1847-1934)
Reichspräsident. Paul von Hindenburg benannte 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler und unterschrieb die entscheidenden Gesetze, die die Weimarer Demokratie zerstörten und zur Etablierung der NS-Diktatur führten.
Adolf Hitler (1889-1945)
Reichskanzler und "Führer". Werdegang und Wirken sind hinreichend bekannt.
Robert Wagner (1895-1946)
Seit 1922 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 91), Gauleiter von Baden, Reichskommissar von Baden (ab 7. April 1933 Reichsstatthalter von Baden).
Robert Wagner war maßgeblich an der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion beteiligt, bei der im Oktober 1940 über 6.500 Jüdinnen und Juden aus Baden und der Saarpfalz sowie etwa 22.000 Jüdinnen und Juden aus dem Elsass in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert wurden.
Nach seiner Festnahme durch US-Truppen im Juli 1945 wurde Robert Wagner an die französischen Behörden übergeben. Vor einem Militärgericht in Straßburg wurde er im April 1946 wegen seiner Verbrechen als Reichstatthalter im Elsass angeklagt. Das Gericht verurteilte ihn am 3. Mai 1946 zum Tode. Das Urteil wurde am 14. August 1946 durch Erschießung vollstreckt. Unabhängig von diesem Verfahren wurde Wagner posthum im Rahmen der deutschen Entnazifizierung am 1. September 1950 als "Hauptschuldiger" (Gruppe I) eingestuft - der höchsten Belastungskategorie.
Wagner blieb bis zuletzt ein überzeugter Nationalsozialist. Seine letzten Worte vor der Hinrichtung lauteten: "Es lebe Großdeutschland, es lebe Adolf Hitler, es lebe der Nationalsozialismus."
Otto Wacker, (1899-1940)
Seit 1925 Mitglied der NSDAP, SS-Obersturmbannführer, badischer Kultus- und Justizminister.
Otto Wacker war als überzeugter Nationalsozialist bereits 1923 an der Gründung völkischer/paramilitärischer Gruppen in Offenburg und der Offenburger Ortsgruppe NSDAP beteiligt. Er arbeitete als politischer Redakteur für die Propagandazeitung "Der Führer", das offizielle Parteiorgan der NSDAP in Baden.
Als Minister implementierte er die Ideologie des Regimes aktiv in Bildung und Wissenschaft, insbesondere in Bezug auf die Diskriminierung und Verdrängung jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus dem öffentlichen Leben. Er setzte die antisemitischen und rassenideologischen Reichsgesetze besonders strikt um; beispielsweise durch die Anweisung, jüdische Schülerinnen und Schüler aus "deutschen" (nichtjüdischen) Klassen zu entfernen und - wenn nicht anders möglich - in Sonderklassen zusammenzufassen oder auf jüdische Privatschulen zu verweisen. Nach seiner Ernennung zum Kultusminister am 11. März 1933 setzte Wacker das "Gesetz zur Wi
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