LUBW: Wassermangel in Flüssen und Seen verschärft sich
Der Herbstbeginn hat in Baden-Württemberg bislang keine Entspannung beim Wasserhaushalt gebracht. Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) bleiben Flüsse, Seen und Uferbereiche weiter stark von Niedrigwasser betroffen. Besonders deutlich zeigt sich das am Rhein, an der Donau, am Neckar und am Bodensee.
September brachte kaum Regen
Landesweit fielen im September nach vorläufigen Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes nur rund 19 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das entspricht etwa 27 Prozent der üblichen Septembermenge von 70 Litern pro Quadratmeter. Die LUBW geht deshalb davon aus, dass der September 2026 in Baden-Württemberg zu den fünf trockensten Septembermonaten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 zählen dürfte.
Präsident Dr. Ulrich Maurer sagte dazu, mit dem Übergang in den Herbst werde der Wasserbedarf der Vegetation zwar geringer, an der ausgeprägten Wassermangelsituation ändere das derzeit aber wenig. Die Böden seien sehr trocken, das Niedrigwasser inzwischen noch stärker ausgeprägt als im Sommer. Nach Angaben der LUBW übertreffen die Daten das bisherige Rekordjahr 2018. An Rhein, Donau und Neckar gilt weiterhin die Niedrigwasserstufe 2, also „extrem niedrig“.
Belastung für Gewässer und Lebensräume
Das anhaltende Niedrigwasser setzt auch im Herbst der Tier- und Pflanzenwelt in Bächen und Flüssen zu. Ufer- und Flachwasserbereiche fallen trocken, Lebensräume gehen zeitweise verloren. Muscheln können trockenfallen und absterben, Fische müssen in günstigere Gewässerabschnitte ausweichen. Wenn trockene Abschnitte den Weg versperren, wird dieser Rückzug erschwert. Trocknen Gewässer vollständig aus, überleben dort die meisten Organismen nicht.
Mit sinkenden Temperaturen lässt zwar die zusätzliche Belastung durch hohe Wassertemperaturen nach. Die Folgen des Wassermangels bleiben aber bestehen. In abwasserbeeinflussten Gewässerabschnitten werden Einleitungen bei Niedrigwasser zudem weniger stark verdünnt und können die Wasserqualität zusätzlich belasten.
Bodensee mit ungewöhnlich niedrigem Stand
Am Bodensee fällt die Entwicklung nach LUBW-Angaben besonders auf. Normalerweise erreicht der See seinen Tiefststand im Februar oder März und seinen Höchststand im Juni oder Juli. In diesem Jahr blieb der typische sommerliche Anstieg weitgehend aus. Ende September lag der Wasserstand niedriger als im vergangenen Frühjahr, was die LUBW als außergewöhnlich und untypisch einordnet.
Am 28. September lag der Pegel Konstanz/Bodensee bei 253 Zentimetern und damit 90 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel für diesen Tag. Selbst im trockenen Jahr 2003 war der Stand an diesem Datum mit 263 Zentimetern noch etwas höher. Nach Angaben der LUBW wirkt sich das Niedrigwasser vor allem auf flach geneigte Uferbereiche aus, die früher als üblich trockenfallen. Ob das langfristig Folgen für die Lebensgemeinschaften in Ufer- und Flachwasserzonen hat, hängt von der weiteren Entwicklung der Wasserstände ab.
Rhein, Donau und Neckar bleiben extrem niedrig
Am Rhein befand sich der Wasserstand am 28. September weiter in der Niedrigwasserstufe 2. Der Pegel Maxau lag bei 283 Zentimetern und damit 178 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel für diesen Tag. Auch der bisherige Minimalwert für den 28. September aus dem Jahr 2003 wurde unterschritten. Am 23. September wurde mit einem Tagesmittel von 282 Zentimetern der bislang niedrigste Wasserstand des Jahres gemessen. Maurer sagte, die eigentliche Niedrigwassersaison am Rhein beginne im Herbst, und man starte nun mit einem Wasserstand, der niedriger sei als jemals zuvor in dieser Jahreszeit gemessen.
Auch an der Donau bleibt die Lage extrem. Der für die baden-württembergische Donau repräsentative Pegel Hundersingen wies am 28. September 26 Zentimeter aus, ebenfalls Niedrigwasserstufe 2. Nach aktuellen Vorhersagen werden die Wasserstände in den kommenden Tagen extrem niedrig bleiben. Eine nachhaltige Entspannung ist zunächst nicht absehbar.
Am Neckar, der durch Stauregelung geprägt ist, wird die Niedrigwassersituation nicht über den Wasserstand, sondern über den Abfluss beschrieben. Am 28. September flossen am repräsentativen Pegel Wendlingen-Kläranlage im Mittel nur 6,26 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab. Auch hier erwartet die LUBW für die nächsten Tage ein weiterhin extrem niedriges Niveau.
Ursachen bleiben bestehen
Als Ursachen für die außergewöhnlich niedrigen Wasserstände nennt die LUBW vor allem den schneearmen Winter im Alpenraum, die geringen Schmelzwasserbeiträge im Sommer, wenig Niederschlag und hohe Verdunstung. Auch in den vergangenen Wochen blieb es im Einzugsgebiet sehr trocken. Für Teile des Bodenseeeinzugsgebiets weist die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz derzeit Trockenheitsstufe 4, also „große Gefahr“, aus. Auch der Alpenrhein führt außergewöhnlich wenig Wasser.
Maurer sagte abschließend, den Gewässern könne nur ein ordentlich verregneter Herbst und Winter helfen.
Hintergrund: genannte Messwerte vom 28. September
- Rhein, Pegel Maxau: 283 Zentimeter
- Donau, Pegel Hundersingen: 26 Zentimeter
- Neckar, Pegel Wendlingen-Kläranlage: 6,26 Kubikmeter Wasser pro Sekunde
- Bodensee, Pegel Konstanz/Bodensee: 253 Zentimeter
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